Projektteilnehmer Danksagung

 Frauen, rettet den Frieden! 

 Dokumentation  Gedichte

Gedichte

MEINE GEDANKEN AN DIE BLOCKADE
PAVLOVA IRINA , (15 Jahre alt), SCHUELERIN DER SCHULE N 492

             ***
Blockade. Leningrad
Und eine weisse Nacht.
Was noch?
Ein Stern im Himmel oben
Und Totenstille immer noch.
Du kannst jemanden rufen,
Aber niemand hoert dich,
Du kannst etwas suchen,
Und niemand stoert dich.
Die Stadt ist tot, so meinen Sie,
Sie irren sich: sie lebt.
Sie lebt, sie atmet,
Lausche und hoere,
Wie schlaegt das Metronom - das Herz der Stadt.

               ***
Geschmack der Blockade
Ist bitter und so widerlich,
Man kann ihn nicht vergessen,
Und aus dem Sinn
Kann er nicht verschwinden,
Denn es ist bestimmt,
Dass es so wichtig ist,
So wichtig fuer ihn.
Fuer den Menschen,
Der die Blokade ueberlebt hat.
Es ist gefaehrlich,
Alles zu vergessen,
Denn er ist Held
Und sein Andenken
Braucht ein ganzes Volk,
Das muessen alle wissen.

                                    

               ***

Zu den Worten von O. Bergholz:
"Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen "

Die Worte von Olga Bergholz,
Sie sterben nicht,
Sie brennen nicht wie Holz,
Die Worte werden durch die Jahre ziehen,
Man kann sie
Auf dem Piskarjowski Friedhof sehen.
Fur immer bleiben sie
Im Herzen des Volkes.
Wir werden immer
Auf diese Menschen stolz sein,
Denn waehrend der Blockade
Dachten sie daran:
Wir sind doch Leningrader,
Das zeigt schon etwas an.

Relief der Dichterin und Saengerin
Olga Bergholz im Blockademuseum  in St. Petersburg 

                     ***

Noch immer Krieg und die Blockade...
Sie sind unvergesslich fur mich,
Darueber hoert man manchmal,
Aber, fuer uns nicht so viel.
Einige fuerchten alles,
Was die Blockade betrifft,
Weil sie Angst haben,
Dass der Krieg noch einmal einbricht.
Diese Menschen verbieten,
Darueber zu sprechen,
Sie meinen: sie seien Patrioten,
Ich glaube: keine echten.
Sie sagen uns,
"Vergessen, das ist am besten!"
Weil man keine Angst um sein Leben haben will,
Und ich verstehe sie,
Fuer sie ist das Leben - Stille.
Damit der Krieg sich nie wiederholen kann,
Duerfen wir doch nichts vergessen,
Das alles ist uns bekannt,
Das Andenken daran bewahre ich am laengsten.


Tanja

Text und Musik von Fredrik Vahle: Das Buch mit dem Friedensmaler, Verlag plaene, Dortmund 1983

Tanja, die lebte in Leningrad im zweiundvierziger Jahr.
Da waren Kaempfe rund um die Stadt,
so dass kein Entkommen war.
Und Tanja hat ihre Mutter gefragt.
Wir muessen bleiben!
Hat sie gesagt.

Da war Tanjas Vater, der ging an die Front.
Es war Nacht, als er Abschied nahm.
Und Tanja fragte: Wann kommt er zurueck?
Als kein Brief mehr von ihm kam.
Und Tanja hat nach dem Vater gefragt.
Der Feinde sind viele. So wurde gesagt.

Da war Tanjas Schwester, die hat noch getraeumt,
es hat Nuesse und Kuchen gegeben.
Doch dann hat sie am naechsten Morgen sehr blass
und still in den Decken gelegen.
Und Tanja hat nach der Schwester gefragt.
Der Hunger ist grausam, so wurde gesagt.
Da war Onkel Wasja, der roch nach Machorka
und sagte: Ich geh noch ein Stueck.
Doch dann kamen Flugzeuge niedrig und laut,
und der Onkel kam nie mehr zurueck.
Und Tanja hat nach dem Onkel gefragt.
Das waren die Bomben, so wurde gesagt.

Da war Tanjas Mutter, die brachte noch Holz
und ist doch nicht am Leben geblieben.
Nur ich bin noch uebrig, hat Tanja dann
in ihr Tagebuch geschrieben.
Und Tanja hat nach der Mutter gefragt.
Der Tod kommt taeglich, so wurde gesagt.

Dann war Tanja krank, aber trotzdem hat sie
noch manchmal ein wenig gelacht.
Doch es fehlte das Brot und die Medizin
in der langen, kalten Nacht.
Und die Leute haben nach Tanja gefragt.
Nie wieder Krieg, haben alle gesagt.


Erich Kaestner

Glaubt nicht, Ihr haettet Millionen Feinde,
euer einziger Feind ist der Krieg.


 

"Veto "

Horst Glass

Jch bin dagegen
dass Dummheit regiert
dass Arme aermer werden
und Maechtige uebermaechtig
und der Mord zur Aussage


Jch bin dagegen
dass ziellose Wege ohne Umkehr
und Lebende in Frieden
nicht sein duerfen
wie sie wollen

Jch bin dagegen
mit den Schweigenden
die vergewaltigt und betrogen
in der Angst um das Erbe
dass es keine Zukunft gibt


Wolf Biermann

Wann ist denn endlich Frieden
in dieser irren Zeit?
Das grosse Waffenschmieden
bringt nichts als grosses Leid.

ES blutet die Erde
ES weinen die Voelker
ES droht grosser Tod
ES sind nicht die Ketten
ES sind nicht die Bomben
ES ist ja der Mensch
der den Menschen bedroht

ES hungern die Kinder
ES droht grosser Tod
ES sind nicht die Bomben
ES ist ja der Mensch
der den Menschen bedroht.

Die Welt ist so zerrissen
Und ist im Grund so klein
Wir werden sterben muessen
Dann kann wohl Friede sein.


Josef Reding

„Friede"
„Bloss keinen Zank und keinen Streit!"
Das heisst auf englisch ganz einfach - PEACE
und auf franzosisch - PAIX
und auf russisch - MIR
und auf hebraeisch - SHALOM
und auf deutsch - FRIEDE, oder:
„Du komm, lass uns zusammen spielen, zusammen sprechen, zusammen singen, zusammen essen, zusammen trinken
und zusammen leben, damit wir leben."


Fantasie von uebermorgen

Und als der naechste Krieg begann,
da sagten die Frauen: Nein!
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in die Wohnung ein.

Dann zogen sie, in jedem Land,
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stoecke in der Hand
und holten die Kerle heraus.

Sie legten jeden uebers Knie,
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei.
Und manches Grossmaul schwieg.
In allen Landern gab' s Geschrei,
und nirgends gab es Krieg.
Die Frauen gingen dann wieder nach Haus,
zum Bruder und Sohn und Mann,
und sagten ihnen, der Krieg sei aus!
Die Manner starrten zum Fenster hinaus
und sahn die Frauen nicht an...

 


"FRIEDENSLIED"
Bertolt Brecht (Frei nach Neruda)


Friede auf unserer Erde!
Friede auf unserem Feld!
Dass es auch immer gehoere
dem, der es gut bestellt!


Friede in unserem Lande!
Friede in unserer Stadt!
Dass sie den gut behause,
der sie gebauet hat!


Friede in unserem Hause!
Friede im Haus nebenan!
Friede dem friedlichen Nachbarn,
dass jedes gedeihen kann!


Friede dem Roten Platze!
Und dem Lincoln-Monument!
Und dem Brandenburger Tore
und der Fahne, die drauf brennt!


Friede den Kindern Koreas!
Und den Kumpels an Neisse und Ruhr!
Friede den New Yorker Schoffoeren
und den Kulis von Singapur.


Friede den deutschen Bauern!
Und den Bauern im grossen Banat!
Friede den guten Gelehrten
eurer Stadt Leningrad!


Friede der Frau und dem Manne!
Friede dem Greis und dem Kind!
Friede der See und dem Lande,
dass sie uns guenstig sind!


"IST DER KRIEG EIN BOESES TIER?"
K. Haengekorb


Ist der Krieg ein boeses Tier?
Bitte, Mutti, sag es mir!
Habe doch so oft gehoert,
dass er unsre Stadt zerstoert.


Ist der Krieg ein Ungeheuer,
das mit Donner und mit Feuer
alles, was auf Erden ist,
nur zerschlaegt und Menschen frisst?


Mutti, ich bin nicht so klein,
will der Krieg zu uns herein,
weisst du, schliessen ich und du
einfach alle Tueren zu!


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